Beileid wünschen

Magazin23. November 2010
Beileid wünschenNach dem Erhalt einer Sterbenachricht hat jeder Empfänger die Pflicht, Beileid zu wünschen. Es gehört ganz einfach zum guten Ton und zur Umgangsart. Auch wenn man nicht so nahe bekannt war, ist dies so Sitte. Man muss sich beim Beileid wünschen nicht auf die allgemein üblichen Sätze beschränken, doch einige Sätze, wie: Die Zeit heilt Wunden - oder ähnliches, muss man hier auch vermeiden. Die Zeit heilt nämlich auch nicht wirklich alles, sie rückt nur das Unverständliche ein bisschen aus dem Mittelpunkt. Dies gilt jedoch ganz gewiss nicht für die Zeit des größten Schmerzes und deshalb sind solche Sätze zum Beileid wünschen auch völlig fehl am Platz. Das Beileid wünschen soll trösten und Beistand geben. Es soll ein Ausdruck des Mitfühlens sein. Es ist wichtig, sich in solchen Situationen ein bisschen einzufühlen. Wer hat nicht schon einmal einen schmerzlichen Abschied beweint, wer kennt das Leid und die seelische Not nicht. Wohl die allerwenigsten von uns und deshalb dürfte ein Mitfühlen auch nicht so schwer sein.

Beileid wünschen – der Zeitpunkt

Das Beileid wünschen sollte möglichst zeitnah nach der Sterbenachricht erfolgen. Meist wird man eine kurze Nachricht mit den Beileidswünschen in den Postkasten werfen. Durch die Teilnahme an der Bestattung erhält man eine weitere Möglichkeit Beileid zu wünschen. Auch im Kollegenkreis ist es üblich, die Beileidswünsche auszusprechen. Meist wird unter Kollegen gesammelt und ein Geldbetrag, zusammen mit den Beileidswünschen überreicht für die Bestattung und die Grabpflege.

Beileid wünschen – Gefühle

Eine ganze Flut von Gefühlen überkommt uns beim Beileid wünschen. Die eigene Vergänglichkeit wird aus unserem Unterbewusstsein geholt, traurige Erinnerungen steigen in uns auf und all das macht jeden sprachlos. Viele Menschen können ihre Gefühle auch nicht offen zeigen, denn dies ist eigentlich Privatsache. In der Regel öffnen wir uns nur den Menschen, zu denen wir ein großes Vertrauensverhältnis haben. Beim Beileid wünschen jetzt plötzlich wildfremden Menschen gegenüber unsere Gefühle zu offenbaren ist für viele deshalb sehr schwierig. Wer Gefühle zeigt wirkt angreifbar und deshalb sollte sich auch Jeder hüten, dies auszunutzen. Für den Alltag gilt dies alles und plötzlich soll man das nun über den Haufen werfen. In unserer heutigen schnelllebigen Zeit mit einer Flut von täglich neuen Nachrichten fällt das Vergessen sehr leicht für nicht Betroffene. In Zeiten von E-Mail und Internet schreibt man zudem immer seltener Briefe, geschweige denn so etwas Gefühlvolles wie das Beileid wünschen. Haben wir trotzdem alle den Mut, springen wir über unseren Schatten und gehen gefühlvoll auf Menschen in leidvollen Lebenssituationen zu. Das dadurch mögliche menschliche Zusammenrücken gibt den Gebenden und den Nehmenden ein gutes Gefühl.

Trauer Beileid

In der Trauer das Beileid, also das Mitgefühl der anderen Menschen zu spüren ist für alle Menschen wichtig. In den Danksagungen kann man immer wieder nachlesen, dass die Trauernden dankbar sind für eine Geste und ein Wort des Trostes. Das Wort Beileid ist so schnell dahingesagt, deshalb ist es auch besonders wichtig, denjenigen dabei anzuschauen und seine Hand zu nehmen. Ganz klar leiden wir nicht mit jedem Menschen in gleicher Weise. Es gibt nun mal Abschiede, die uns persönlich leichter oder schwerer fallen. Gerade deshalb sollten wir Worte des Beileids nicht gefühllos, sondern einfühlsam sagen.

Trauer Beileid – wie ausdrücken

Die geläufigste Form in der Trauerzeit das Beileid zu wünschen ist die Trauerkarte oder ein Trauerbrief. Diese Form wird schon deshalb gerne gewählt, weil man nicht persönlich mit dem Leid konfrontiert ist. In dieser Form ist der Pflicht Genüge getan, doch in der Regel gehen wir bei bekannten Menschen auch zur Beisetzung. Üblicherweise werden gegenüber den Angehörigen während der Trauerfeier oder danach auch die Beileidswünsche der Trauergäste ausgesprochen. Die gängigsten und bekanntesten Worte hierbei sind: Mein Beileid. Man muss jedoch diese üblichen Worte nicht wählen. Ebenso gut kann man sagen:
  • Ich fühle mit dir/Ihnen
  • Mein aufrichtiges Mitgefühl
  • Meine herzliche Anteilnahme
  • Mein tief empfundenes Mitempfinden
Bei näher Bekannten:
  • Ich weiß, was du verloren hast - kann ich dir helfen?
  • Ich finde keine Worte zum Beileid, wie kann ich dich/Sie trösten
Es gibt eine ganze Reihe von Worten, die zum Beileidsausdruck geeignet sind. „Die Zeit heilt Wunden“ gehört definitiv nicht dazu, denn diese Zeit zur Heilung der offenen Wunden in der Trauer muss man den Menschen dann schon lassen. Die erste Trauerzeit gehört dem Weinen und Wehklagen. Trauer muss nicht still sein und es ist auch ganz dem Temperament und der Größe des Schmerzes überlassen, wie lange die Trauernden brauchen um über den Verlust hinwegzukommen.

Beileid Trauer – Zuspruch schriftlich

Schriftliche Beileidsbezeugungen sind eine besonders schwere Aufgabe. Zunächst einmal werden diese Tröstungen grundsätzlich handschriftlich verfasst. Ein gedruckter Brief wird den guten Eindruck nur stören. Es ist auch unüblich hierzu buntes Papier zu verwenden. Es sind zwar nur Äußerlichkeiten, doch genau an diesen Kleinigkeiten sieht man, ob Sie sich Gedanken gemacht haben oder eben nicht. Ebenso erhält ein solcher Brief keinen Trauerrand, denn dies ist den Hinterbliebenen vorbehalten. Auch gestelzte unnatürliche Sätze sollte man in solchen Beileidsbriefen vermeiden. Wenn man sich den Text vorher aufsetzt und noch einmal nachliest, fällt einem dann schon auf wo unschöne Formulierungen sind. Da man ohnehin jedes Wort genau abwägen muss ist dies auch eine gute Selbstkontrolle. Schreiben Sie einfach wie Sie sprechen und lesen Sie den Brief hinterher laut noch einmal nach. Die grammatikalischen Formulierungen fallen Ihnen beim lauten Lesen am Besten auf. In dieser Form wirkt ein Schreiben natürlich und sie werden beim Nachlesen sicherlich noch Korrekturen vornehmen. Es ist bei diesen Schreiben besonders wichtig, unverkrampfte Texte zu schreiben. Beileidsbriefe werden erfahrungsgemäß öfter auch später noch zur Hand genommen und gelesen. Sie erreichen durch einen stilvollen Beileids – Brief also nicht nur die Tröstung im ersten Augenblick, sondern Sie hinterlassen auch einen bleibenden Eindruck bei den Trauernden.

Trauer Beileid – Zusammengehörigkeit

Die nächsten Betroffenen sollten sich bei der Bewältigung der Trauer gegenseitig ein Gefühl der Zusammengehörigkeit geben. Hier reicht nicht nur das Beileid auszusprechen oder zu schreiben, sondern die Hilfen für die Trauernden sollten gerade in der ersten schweren Zeit nach dem Heimgang eines lieben Angehörigen vielfältiger sein. Schon beim Ausdruck des Beileids kann und sollte man diese Zusammengehörigkeit auch signalisieren.

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