Um zu verstehen, warum die Pietät der Selbstbestimmung entgegentreten könnte muss man wissen, dass der Begriff unweigerlich für viele Menschen mit der Trauerfeier und dem Sterben in Verbindung gebracht wird. Diese Begrifflichkeit stammt aus dem lateinischen und wird von „pietas“, das bedeutet Frömmigkeit und Pflichtgefühl und Demut abgeleitet. Pietät bedeutet umgangssprachlich auch Achtung und Ehrerbietung. Ebenso sollten Verstorbene mit Rücksicht und dem gebotenen Respekt behandelt werden. Die Auffassung der einzelnen Familienmitglieder in Bezug auf diese Werte kann jedoch völlig unterschiedlich ausgeprägt sein. Wenn man in einer großen Versammlung solche Themen anspricht, wird man deshalb auch sehr verschiedene Meinungen hören.
Verstorbene wählten zu Lebzeiten einen eigenen Weg abseits der Konventionen?
Der Wunsch des Verstorbenen soll und muss den Hinterbliebenen wichtig sein. Er steht mehr im Mittelpunkt, als Wünsche der Angehörigen oder althergebrachte Traditionen. Die Gefühle der Angehörigen sollten hierbei jedoch schon auch noch Beachtung finden. Mit viel Einfühlungsvermögen ist es deshalb ratsam, das Familiengespräche auch in diesem Punkt geführt werden. Ein Mensch der sehr gläubigen Verwandten eine Feuerbestattung zumuten möchte, sollte dies möglichst bei Lebzeiten kommunizieren. Auch und gerade eine anonyme Beisetzung bedarf der Erläuterungen, denn den Hinterbliebenen fehlt aufgrund dessen ein wichtiger Zufluchtsort zum Trauern und das ist sehr wohl eine weitreichende Konsequenz. Viele Menschen haben diesen Wunsch nicht aus Überzeugung sondern aus falsch verstandener Rücksichtnahme. Dieses Missverständnis kann in einem offenen Gespräch auch aufgeklärt werden. Es ist zu verstehen, dass man dieses Thema nicht gerne anspricht, doch aus diesem Betrachtungswinkel werden sich viele Menschen das noch einmal überlegen.
Wer bestimmt denn letztendlich was pietätvoll ist? Die Gesellschaft in der man seine Toten bestattet oder der Gesetzgeber? Die Auseinandersetzung mit diesen Themen sowie die Konfrontationen mit traditionellen Konventionen sind so alt wie die Menschheit selbst. Religiöses Gedankengut, sowie der kulturelle und technische Fortschritt spielen hierbei eine große Rolle.
Ist eine pietätvoll Bestattung mit einem günstigen Preis – Leistungsverhältnis möglich?
Es kommt bei der Qualität einer Beisetzung viel mehr auf die zum Ausdruck gebrachte Nächstenliebe an und nicht auf den Pomp. Jeder Mensch kann trauern wie er möchte und niemand hat das Recht dies zu bewerten. Alle Facetten sind denkbar, die Beisetzung nach traditionellen Werten oder mit zeitgemäßen Akzenten. Es ist hierbei auch für jeden Wunsch die Möglichkeit geboten vom stillen Abschied bis zum aufwendigen Event. Eventbestattungen bei denen ein Feuerwerk abgebrannt oder wie bei Staatsbegräbnissen auch Salut geschossen wird können einen genauso persönlichen Abschied darstellen wie die leise Variante.






Die ethische Würde wollen die Menschen auch nach dem Tod nicht verlieren und für manche Lebenden ist die Vorstellung anonym oder von einem Billigbestatter beigesetzt zu werden, einfach nur schrecklich. Alte Traditionen und der Glaube haben unseren Umgang mit dem Tod geprägt und das Thema Sparen in Verbindung mit einer Bestattung ist für viele ein Tabu. Trotzdem konnten sich in den letzten Jahren immer mehr sogenannte Billigbestatter auf den Markt drängen und teilweise bereits etablieren und somit stellt sich die Frage, warum sich immer mehr Menschen für diese Form der Bestattung entscheiden.
Wenn ein Mensch verstirbt, leiden in erster Linie die nächsten Angehörigen unter diesem Verlust, schließlich war der Verstorbene fester Bestandteil ihres Lebens. Insbesondere der überlebende Partner, die Kinder und die Eltern des Verstorbenen haben im Zuge dessen einen großen Verlust zu verschmerzen. Die Anteilnahme Anderer kann diesen Schmerz zwar nicht von den Angehörigen nehmen, zeigt diesen aber, dass auch andere Personen vom Verstorbenen Abschied nehmen und die Trauer der nächsten Angehörigen verstehen. Aus diesem Grund spricht man sein Beileid aus.
Immer mehr Menschen wünschen sich entgegen der kirchlichen Vorgabe eine anonyme Bestattung und das aus einfach nachvollziehbaren Gründen. Die Familien leben nicht mehr wie früher in einem engen Verband und oft wohnen die Mitglieder verstreut auf dem Erdball. Die Grabpflege wird so zu einer nur schwer zu bewältigenden Angelegenheit und nicht jeder kann und will auf einen Grabpflege-Service zurückgreifen. Zudem möchten viele Menschen ihrer Familie neben den Kosten für ein Grabmal auch den Zwang nehmen, sich um die Grabpflege kümmern zu müssen und moderne Bestattungsformen wie die Forstbestattung greifen diese Problematik auf und vergeben Grabstellen auch anonym.
Beileids- oder