beileid-logo

Suizidgefährdet – Was tun bei Anzeichen?

Suizidgefährdet – Was tun bei Anzeichen?

Ist es zu einem Suizid in der Familie oder dem näheren Umfeld gekommen, stellt sich regelmäßig die Schuldfrage. Unfälle und Erkrankungen kann man gewissermaßen als Schicksal akzeptieren, hat der Verstorbene aber Selbstmord begangen, fragen sich die Hinterbliebenen nach den Gründen hierfür und suchen die Schuld mitunter bei sich selbst. Selbstvorwürfe sind in einer solchen Situation nahezu an der Tagesordnung. Die Familie und Freunde geben sich zumindest eine Teilschuld, weil sie die massiven Probleme des Verstorbenen nicht erkannt oder falsch eingeschätzt haben und daher seinen Suizid nicht verhindern konnten. Das Gefühl, versagt und den Verstorbenen im Stich gelassen zu haben, wird zu einer regelrechten Qual und macht es den Hinterbliebenen nahezu unmöglich, ihre tiefe Trauer zu verarbeiten. Im Nachhinein erkennt man dann gewisse Anzeichen der Suizidgefährdung und interpretiert Veränderungen in der Persönlichkeit des Verstorbenen vor seinem Tod, nachträglich als erste Hinweise auf den Suizid.

Suizidgefährdung frühzeitig erkennen

In der Regel ist es allerdings bereits zu spät, wenn die Hinterbliebenen gewisse Anzeichen als Suizidgefährdung erkennen, weil dies häufig erst im Nachhinein der Fall ist. Um dem Betroffenen eine Hilfe sein zu können und den Selbstmord mitunter zu verhindern, muss man aber frühzeitig aktiv werden und die Suizidgefährdung erkennen. In diesem Zusammenhang ist eine große Sensibilität gefragt.

Gleichzeitig bedeuten psychische Probleme oder anderweitige Sorgen nicht zwingend, dass der Betroffene automatisch auch suizidgefährdet ist. Im Laufe eines Lebens durchlebt man immer wieder Höhen und Tiefen und wird mit den Rückschlägen mal besser und auch mal schlechter fertig. Dieser Umstand macht es für das Umfeld überaus schwierig und häufig nahezu unmöglich, eine Suizidgefährdung zu erkennen. Der Betroffene selbst zieht sich ohnehin immer weiter zurück und lässt seine Familie und Freunde nicht an seinen Emotionen teilhaben, wodurch diese mitunter kaum eine Chance haben, zu erkennen, was derjenige durchmacht.

Um einen geliebten Menschen vor dem Suizid zu bewahren und ihm rechtzeitig die notwendige Hilfe zukommen zu lassen, muss man die etwaige Suizidgefährdung aber frühzeitig erkennen und dann rasch handeln. Die Angehörigen sehen sich selbst in der Pflicht und versuchen, der gefährdeten Person beizustehen, so dass diese ihre persönliche Krise übersteht und wieder Freude am Leben empfindet. Einer ernsten Suizidgefährdung liegt jedoch in den meisten Fällen eine massive psychische Erkrankung zugrunde, die einer professionellen Behandlung bedarf. Die Familie und Freunde sind mit dieser Aufgabe vollkommen überfordert und sollten Hilfe von außen in Anspruch nehmen.

Suizidgefährdung und das Psychisch-Kranken-Gesetz

Besteht eine ernstzunehmende Suizidgefährdung, kann der deutsche Gesetzgeber im Rahmen des sogenannten Psychisch-Kranken-Gesetzes, das Ländersache ist, die Selbstbestimmung einschränken und zum Wohle des Betroffenen eingreifen. Eine Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik kann die letzte Konsequenz bei einer Suizidgefährdung sein und den Patienten davor bewahren, aufgrund einer psychischen Erkrankung seinem Leben ein Ende zu bereiten. Im Falle einer Lebensgefahr kann folglich eine Zwangsbehandlung von Gesetzes wegen durchgeführt werden. Wer bei einem Angehörigen Anzeichen einer Suizidgefährdung erkennt, sollte gegebenenfalls eine Zwangseinweisung anstreben, um das Leben des Betroffenen zu schützen.

 

Weitere Quellen und Hilfe im Netz:

Freunde fürs Leben – www.frnd.de/zahlen-fakten/
Freunde fürs Leben auf Facebook – www.facebook.com/freundefuersleben
AGUS e.V. – für Suizidtrauernde bundesweit – www.agus-selbsthilfe.de
Arbeitskreis Leben e.V. – Hinterbliebene nach Suizid – www.ak-leben.de
Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention – Hilfe in Lebenskrisen e.V.
Projekt der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart – www.nethelp4u.de

 

Sie fanden diesen Beitrag hilfreich?
5/54 ratings