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Unterschiedliche Trauersitten der Kulturen

Die Trauersitten des modernen Christentums sind den meisten geläufig, auch wenn sie selbst nicht getauft wurden oder als aktive Christen leben. Schwarz ist bei uns – ganz im Gegensatz zu anderen Völkern – die Farbe der Trauer und wir verbinden bestimmte Rituale und Traditionen mit dem Tod. Einige Traditionen wurden in den letzten 50 Jahren vernachlässigt und neue Trauersitten verbreiten sich.

Kondolieren im Internet oder das Pflanzen eines Erinnerungbaums sind relativ neue Trauersitten und die Trauerkleidung wird in unseren Breitengraden nur noch am Tag der Beerdigung erwartet. Andere Kulturen gehen mit dem sensiblen Thema Tod anders um und der Unterschied macht deutlich, dass es keinen Leitfaden für den Umgang mit der Trauer gibt. Wie in Europa geraten die alten Traditionen und Trauersitten auch in China und Indien immer mehr in Vergessenheit.

So trauert man in China

Obwohl die Chinesen wenig über Gefühle sprechen, bringen sie traditionell ihre Trauer laut weinend und wehklagend zum Ausdruck. Der älteste Sohn des Verstorbenen garantiert den Fortbestand einer Familie und so ist es auch er, der bei den chinesischen Trauersitten eine zentrale Rolle hat. Verstirbt der Vater, so macht sich der Sohn auf und geht von Haus zu Haus um die Todesnachricht zu überbringen. Dabei kniet er vor Nachbarn und Freunden und erwartet, dass diese weinen und wehklagen auch wenn sie innerlich nicht so empfinden. Die Frauen in China dürfen während der einwöchigen Totenwache, in der der Verstorbene im Haus aufgebahrt wird, keinen Schmuck und auch keine rote Kleidung tragen. Von den Kindern und Schwiegertöchtern erwartet man auch, dass ihre Trauer am größten ist, da sie das Familienoberhaupt und damit ihren Beschützer verloren haben. Sie tragen in der Trauerzeit die Farbe Schwarz, während die Enkel in Blau und die Urenkel traditionell in Hellblau gekleidet werden. von den Frauen der Familie wird erwartet, dass sie die gesamte Totenwache mit Weinen und Wehklagen begleiten. Nach der Bestattung eines hochrangigen Familienmitglieds folgt in China eine 100 Tage dauernde Trauerzeit, in der die Söhne nicht heiraten dürfen und die Nachkommen ihre Haare 49 Tage lang nicht schneiden dürfen. Das Totengedenkfest heißt in China Quingming-Fest und dabei werden den Verstorbenen Blumen und Geschenke gebracht.

In Indien ist der Tod ein Übergang

Wie die Chinesen sehen die Inder den Tod auch als Übergang in eine andere Daseinsform. Trotzdem geben sie ihrer Trauer einen völlig anderen Ausdruck. Weiß ist dort die Farbe der Trauer und die Familie des Verstorbenen gilt während der 13tägigen Trauerzeit als unrein. Das heißt, sie dürfen in dieser Zeit zwar ihren Gefühlen freien Lauf lassen, aber nicht an religiösen Zeremonien teilnehmen und auch keine süßen Speisen essen. Das soll dem Verstorbenen den Aufstieg zu seiner neuen Form garantieren. Ein Jahr nach der Bestattung führt man in Indien die Shaddra-Zeremonie durch, bei der den Verstorbenen eine Opfergabe dargebracht wird.

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