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Sterben oder der Übertritt in eine geistige Welt

Sterben oder der Übertritt in eine geistige Welt

Niemand weiß so recht, was auf jeden von uns zukommt. Dennoch nähern wir uns mit jedem Tag, der verstreicht ein Stückchen mehr diesem mystischen Moment. Warum wird dieses Thema so stark aus unserem Alltag verbannt, obwohl es doch immer wieder präsent ist? Schon oft habe ich mir Gedanken gemacht um meinen eigenen Tod. Nicht dass ich schwermütig wäre, ich finde es nur wichtig das nicht zu verdrängen. Zudem glaube ich, dass es eine Welt gibt außerhalb der Sorgen und Mühen des Alltags. Eine geistige Welt losgelöst von Schmerzen und Pein. Viele Menschen mit Nahtodeserfahrung berichten von einem hellen Licht und einer wunderbaren Schwerelosigkeit. Mein Bruder wurde nach einem schweren Sturz auch reanimiert und erzählte mir mit einem warmen Unterton in der Stimme von seinen Erfahrungen. Am meisten beeindruckt hat mich sein Satz: „Du brauchst keine Angst vor dem Sterben haben, das ist gar nicht schwer.“

Wer einmal einen Sterbenden begleitet hat und hinterher mit dem Aufgebahrten in Ruhe Zeit verbringt wird ein Lächeln auf den Gesichtern vieler Toten sehen. Was mögen sie erlebt haben, dass dies möglich ist? Es kommt wohl immer auf die innere Einstellung an und auf ein Losgelöst sein von allem, das man hinter sich lassen muss. Für viele Menschen ist es wohl schwer vorstellbar, denn Abschied nehmen ist immer schwer, ganz egal wie man es drehen oder wenden mag.

Ein weiterer Aspekt ist es, sich in unabwendbare Dinge zu fügen. Wer gegen etwas ankämpft, das ohnehin nicht zu ändern ist macht sich wohl alles viel schwerer als es sein müsste. Was natürlich nicht heißen soll, das man gegen eine Krankheit nicht ankämpfen soll so lange eine Aussicht auf Heilung besteht. Es gibt jedoch auch die andere Seite, eine Ahnung oder das Wissen darum, das eine Umkehr nicht möglich ist. Wohl dem, der in diesen Zeiten einen Menschen zur Seite hat, der einfach still und bescheiden da ist. Ohne große Worte genügt ein Händedruck, ein warmer Blick oder ein Streicheln um zu zeigen – ich lasse dich nicht alleine in der Not.

Viele Dichter haben sich dieses Themas angenommen. Mascha Kaleko bringt es auf den Punkt indem sie sagt: „Den eigenen Tod stirbt man nur, mit dem Tod der anderen muss man leben.“ Sie spricht hier die Thematik der Trauer an, die Trauer derer, die zurückbleiben müssen. Friedrich Schiller schrieb gar: „Ach wie glücklich sind die Toten“. Die Worte von Jean Cocteau blicken zur Trauerzeit: „Behutsam schließt man die Augen der Toten; ebenso behutsam muss man den Lebenden die Augen öffnen.“

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