Sind anonyme Bestattungen pietätlos?

Magazin, Top Thema3. Dezember 2010
Anonyme BestattungenImmer mehr Menschen wünschen sich entgegen der kirchlichen Vorgabe eine anonyme Bestattung und das aus einfach nachvollziehbaren Gründen. Die Familien leben nicht mehr wie früher in einem engen Verband und oft wohnen die Mitglieder verstreut auf dem Erdball. Die Grabpflege wird so zu einer nur schwer zu bewältigenden Angelegenheit und nicht jeder kann und will auf einen Grabpflege-Service zurückgreifen. Zudem möchten viele Menschen ihrer Familie neben den Kosten für ein Grabmal auch den Zwang nehmen, sich um die Grabpflege kümmern zu müssen und moderne Bestattungsformen wie die Forstbestattung greifen diese Problematik auf und vergeben Grabstellen auch anonym.

Die klassische anonyme Bestattung auf einem Friedhof

Auf vielen Friedhöfen gibt es anonyme Grabfelder. Die meist gekennzeichneten Rasenflächen sind eine letzte Ruhestätte und die Urnen werden hier beigesetzt, ohne Namen oder Lebensdaten der Verstorbenen festzuhalten. Blumenschmuck wird an einem zentralen Denkmal hinterlegt und die Urnenhaine oder Rasenfriedhöfe sind meist gärtnerisch gestaltet und werden von der Friedhofsverwaltung gepflegt. Einige Städte bieten neben der anonymen Urnenbestattung auch die anonyme Beisetzung im Sarg an. In Deutschland nimmt die Zahl der anonymen Bestattungen seit dem späten 20. Jahrhundert deutlich zu. Wissenschaftliche Aussagen über die Ursache dafür gibt es nicht, jedoch geht man davon aus, dass vor allem die steigenden Kosten für eine normale Besetzung der Hauptgrund ist.

Die Haltung der Kirche beeinflusst die Wahl der Bestattungsform

Die Kirche hält fest an ihrer Meinung, dass Hinterbliebene einen Ort zum Trauern brauchen und spricht sich daher gegen anonyme Bestattungen aus. Der Glaube ist in vielen Menschen tief verwurzelt und auch moderne Christen versuchen den Vorgaben des Kirchenoberhaupts zu folgen. Da die Kirche gegen anonyme Bestattungen ist, wünschen sich viele Christen ein normales Grabmal mit Gedenkstein oder Gedenkkreuz. Das Argument der Kirche, dass Hinterbliebene einen Ort zum Trauern brauchen, lässt sich jedoch schon anhand des Vier-Phasen-Trauerprozesses widerlegen, das wissenschaftlich anerkannt ist. Doch die alt hergebrachte Tradition und das nur zögerliche Annehmen von Veränderungen in der Kirche führen dazu, dass anonyme Bestattungen noch immer von vielen als pietätlos empfunden werden. Dabei wissen viele nicht genau, woher ihre Einstellung stammt, die zumeist über Generationen weitergegeben wird.  Trotzdem setzt sich in der Realität durch das moderne Leben die anonyme Bestattung immer mehr durch und solange die Kosten für eine klassische Bestattung weiter steigen, werden sich immer mehr Menschen für diese Form der letzten Ruhe entscheiden. Letztendlich wird die Kirche wie bei der Feuerbestattung ihre Meinung an die veränderten Lebensumstände anpassen und bis dahin sollte man versuchen, sich eine eigene Meinung zu bilden.

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