Mitleidsethik

Ratgeber, Kondolenz11. April 2012
mitleidsethik

Mitgefühl bei Trauer ist ein normaler Vorgang, doch zumeist schwer auszudrücken. Der Tod kommt immer überraschend und Hinterbliebene und Angehörige stehen zunächst einmal unter Schock. Die Mitleidsethik bestimmt das Handeln und auch für die engsten Freunde oder Verwandte ist es nicht leicht zu begreifen, dass ein Mensch aus ihrer Mitte gerissen wurde. Man hatte doch noch so viele Pläne! 

Bei der Vorbereitung der Beerdigung und auch auf dem Friedhof selbst stehen selbstverständlich die Hinterbliebenen im Mittelpunkt. Doch danach fühlen diese sich oft alleingelassen. Das liegt nicht etwa daran, dass keiner helfen möchte, sondern es manchen Menschen schwerfällt, Mitgefühl auszudrücken. Dabei ist Mitgefühl bei Trauer sehr wichtig, es gibt das Gefühl nicht alleine zu sein und das ist schon sehr hilfreich und mildert das Leiden, wenn es dieses auch nicht wegnehmen kann.

Mitleid mit Trauernden?

Trauernde brauchen das Gefühl, dass sie nicht alleine in ihrem Schmerz sind, das sie eine Schulter haben, an der sie sich auch einmal einfach nur ausweinen können. Meist sind es nur Missverständnisse, die zu vermeintlich fehlendem Mitgefühl führen. Deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen. Wer Angst hat, auf einen trauernden Menschen zuzugehen, der sollte ihm das ehrlich sagen, zumeist war man auch selbst einmal in der Lage und kann das auch gut verstehen. Seine Ängste mitteilen, aber auch gleichzeitig seine Bereitschaft zur Hilfe signalisieren. Nichts ist schlimmer, als wenn die Hinterbliebenen sich im Stich gelassen fühlen.

Wie kann man Trauernden am besten beistehen?

Das ist wohl die Frage, die sich Angehörige und Freunde von Trauernden oftmals stellen. Statt hilflosem Rückzug, weil man nicht genau weiß, was man sagen oder tun soll, ist es hier wichtig, ehrlich zu sein. Es kommt auf jeden Fall besser an zu sagen, dass man nicht genau weiß, was man tun soll, als gar nichts zu sagen und sich still zurückzuziehen. Sicherlich brauchen Trauernde Raum und Zeit, es geht auch nicht darum, sich aufzudrängen. Vielmehr geht es darum, einfühlsam zu sein und dem anderen zu zeigen, dass man für ihn da ist. Beileid aussprechen ist schwer und deshalb haben hier Gefühle die nicht zu überbordend sind auch Platz.

Wer nicht genau weiß, wie er es formulieren soll, sollte genau das auch ausdrücken: 

„Ich würde dir so gerne helfen und möchte für dich da sein, aber ich habe Angst etwas falsches zu sagen. Bitte hilf mir und sage, was ich für dich tun kann.“ 

Mit solchen ehrlich gemeinten Worten können Trauernde umgehen, denn es zeigt Ihnen dass die Menschen um sie herum sich ähnlich hilflos fühlen wie sie selbst. Gleichzeitig spüren sie aber auch die Unterstützung und das Wissen, nicht alleine zu sein.

Themen: Mitleid

Geschrieben von Angelika Schmid.

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